Hannes Müller:

Wurzeln der Gewalt
in Bibel und Christentum

Mit einem Seitenblick auf Wurzeln der Gewalt
im Koran und im tibetischen Buddhismus

Selbstverlag Berlin 2003, ISBN 3-00-011623-0, Preis: € 5,- ; Bezug (+Versandk.):
H. Müller, PF 210445, 10504 Berlin; oder eMail: SplettstoesserMueller@t-online.de


Die Würde des Menschen ist unantastbar. GG Artikel 1

Zahlreiche inhumane, Gewalt befürwortende Aussagen der Bibel, auch im Neuen Testament, und ihre kommentarlose oder sogar zustimmende Verbreitung sind in der Geschichte des Christentums zu Wurzeln der Gewalt geworden. Sie wirken auch heute noch Gewalt erzeugend. Die klare auch öffentliche Distanzierung von solchen Aussagen fehlt heute immer noch weitgehend. Dies begünstigt eine Gewalt erzeugende Gehorsamkeitserziehung und behindert die Verbreitung von Modellen gewaltfreier Konfliktbewältigung.
Die Texte dieses Buches sollen verdeutlichen, dass die von Christen und ihren Kirchen ausgegangene Gewalt ihre Ursache schon in der Botschaft Jesu selbst hat und nicht erst - wie viele behaupten - eine Frage ihrer mangelnden Verwirklichung ist, weil auch Christen bloß Menschen sind, denen es nicht gelingt, das angeblich hohe Ideal des Evangeliums zu verwirklichen.

Zum Autor: 1949 geboren, in einem protestantisch christlichen Milieu aufgewachsen. Nach einem Lehramts-Studium für höhere Schulen und einer Zeit als Studienreferendar heute im therapeutischen Bereich tätig und lebt zusammen mit seiner Familie in Berlin.


INHALT
TEXTE
- Jesus, der "neue Mose"? - Ein kritischer Blick auf Moses 11
- Ein Gospelsong als Lobeshymne auf einen Völkermord? 12
- Kritische Fragen zur Bibel 16
- Höllische und andere unerfreuliche Jesus-Worte 24
- Gewalt gegen Kinder fördernde Bibelworte u. zustimmende Kirchen-Kommentare 32
- Kirchliche Bibelkommentare - ein Schönreden von Gewalt 34
- Kinderbibel und Religionsunterricht - Kritische Fragen 36
- Der Appell an das Mitgefühl 40
- Aufrufe zur Gewalt im Koran 41
- Wurzeln der Gewalt im tibetischen Buddhismus 42
- Die besondere Anklage 50
- "höher als alle Vernunft": Die Unvernunft einer Übervernunft 51
- Mitgefühl als Basis für gewaltfreie Konfliktbewältigung 52
BRIEFE
- An meine gläubige Schwester: Gottvertrauen ohne Vernunft? 54
- An meinen ehemaligen Pfarrer: Alles eine Frage der Auslegung? 58
- An Dr. Drewermann: Gedanken des Friedens? 62
- An Dr. Alice Miller: Ist "Jesu Botschaft Kinder beschützend"? 69
ANHANG
- Jesu Entdifferenzierung der Menschen in "gute" und "böse" (F. Buggle) 78
- War Nero ein Christenhasser? (H. Jackler) 80
- Martin Luther: Mit der Bibel nicht nur gegen den Papst 81
- Bekennende Kirche: Für den Führer und den Endsieg 82
- Graf von Galen: ein Widerstandskämpfer? (K. Deschner) 84
- Ist die Kirche die "größte Verbrecherorganisation aller Zeiten"? 86
- Verankerung "Schwarzer Pädagogik" mit Hilfe der Religion (A. Miller) 87
- Echte Vergebung (A. Miller) 89
- Die unerfreulichen Jesusworte in der Bergpredigt 90
- Jesu Höllendrohungen - Christliches Vergeltungsdenken 91
- Die Intoleranz Jesu und seine Folgen - ein Nachwort 92
- Nachtrag: David, ein Held? - Ökumene der Verdrängung biblischer Gewalt 97

Veröffentlichung zum Nachtrag






Aus: Die Intoleranz Jesu und seine Folgen - ein Nachwort


Schon Jesus sah in der Bergpredigt für die falschen Propheten vor, sie ins Feuer zu werfen wie Bäume, die keine guten Früchte hervorbringen. Denen, die nicht auf ihn hören, droht er schlimmeres Ergehen als Sodom und Gomorra an. (Mt 7,15ff; 10,14f) Einem Oberen der Juden erklärt er: "Wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet"1. Er verabschiedet sich von seinen Jüngern: "Wer nicht in mir bleibt ... ins Feuer."2 Zu denen, die Berichten von seiner Auferstehung nicht glaubten: "Wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden."3 Und: "so wird es auch am Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt."4

Nach diesem Vorbild Jesus richten sich auch Petrus und Paulus. In der Gütergemeinschaft der Urgemeinde verkauften alle ihren Besitz und legten den Aposteln den Erlös vor. Als ein Ehepaar etwas von ihrem Erlös für sich zurückbehielt, warf ihnen Petrus vor, Gott und seinen Geist zu betrügen, und auf der Stelle starben sie.5 Er will Irrlehrer wie wilde Tiere fangen und vernichten lassen.6 Und Paulus verkündigt: "Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!"7 Er wendet sich gegen die Verfälscher des Evangeliums: "Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht"8, nennt sie Lügenapostel9, Hunde10 und befindet: "Diese Menschen muß man zum Schweigen bringen", alle Kreter seien Lügner und gefährliche Tiere.11 Vom Glauben abweichende "habe ich dem Satan übergeben, damit er sie bestraft"12. Juden beschimpft er als Verschnittene13 und erklärt: "Diese haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; ... Sie mißfallen Gott und sind Feinde aller Menschen; ... machen sie unablässig das Maß ihrer Sünden voll."14 Und zu Jesu Wirken beim Gottesgericht heißt es: "Denn es entspricht der Gerechtigkeit Gottes, denen mit Bedrängnis zu vergelten, die euch bedrängen, ... wenn Jesus, der Herr, sich vom Himmel her offenbart, ... . Dann übt er Vergeltung an denen, die Gott nicht kennen und dem Evangelium Jesu, unseres Herrn, nicht gehorchen. ... mit ewigem Verderben werden sie bestraft, wenn er an jenem Tag kommt, ... ."15

385 werden in Trier die ersten Christen aus Glaubensgründen von anderen Christen umgebracht wegen Leugnung der Trinitätslehre und der Auferstehung.16 Im 30-jährigen Krieg bekämpfen sich Katholiken und Protestanten schließlich mit Millionen von Toten, noch übertroffen von dem, was Christen Nichtchristen antaten bei ihrer Missionierung mit dem Schwert. Die katholische Kirche verkündet: "daß niemand außerhalb der katholischen Kirche ... des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, ..." und vertritt damit die Auffassung, dass auch die Christlichkeit außerhalb ihrer Kirche zur Hölle verdammt ist.17 Entsprechend heißt es in Luthers "Großem Katechismus", einer lehrverbindlichen ev.-luther. Bekenntnisschrift, dass, "was außer der Christenheit ist, es seien Heiden, Türken, Juden oder falsche Christen ... in ewigem Zorn und Verdammnis bleiben".18
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1 Joh 3,18         2 Joh 15,6         3 Mk 16,16         4 Mt 13,40ff         5 Apg 5,1-11         6 2 Petr 2,12         7 1 Kor 16,22         8 Gal 1,8         9 2 Kor 11,13        10 Phil 3,2        11 Tit 1,11f       12 1 Tim 1,20       13 Phil 3,2        14 1 Thess 2,15f        15 2 Thess 1,6ff      16 J. Kahl, Das Elend des Christentums ... , 1968, 43     
17 Neuner/Roos, Rahner/Weger, Der Glaube der Kirche in ..., 1986, 255, zit. n. F. Buggle, Denn sie wissen nicht, was sie glauben, Rowohlt, Reinbek 1997, 105
18 Bekenntnisschriften der ev.-luth. Kirche, Göttingen, 3. verbess. Aufl. 1956 , S. 661, zit. n. ebd.